Triathlon 360°
Interview

Jonas Deichmann – Mein Triathlon 360°

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Im ersten Teil des Interviews mit Jonas Deichmann über seinen Triathlon 360° ging es um den Streckenverlauf, den Einfluss der Corona-Pandemie und das Schwimmen in der Adria.

In diesem Artikel erzählt Jonas Deichmann von seiner Radtour durch Russland, wie er in Mexiko 120 Marathons in 117 Tagen gelaufen ist und was er nach seiner Rückkehr gemacht hat.

Radtour durch Russland bei -20° C

Die Kälte ist nur in Verbindung mit Nässe gefährlich.

Jonas Deichmann

Du bist bei -40° C mit dem Fahrrad durch Sibiren gefahren. Ist es da nicht schwierig, die richtige Kleidung zu tragen? Welche Kleidung hattest du beim Radfahren an? Wie hast du verhindert, dass deine Füße eingefroren sind?

Ganz so kalt war es nicht mehr – maximal -20° C. Es war ja schon Ende Winter.

Die Winterkleidung und auch die Ausrüstung hatte ich vorher in der Kältekammer der Deutschen Bahn bei -22° getestet. Die Kälte ist nur in Verbindung mit Nässe gefährlich. Ich bin immer so gefahren, dass ich auf keinen Fall geschwitzt habe und immer ein paar trockene Socken für die Nacht hatte. Am Morgen bin ich dann wieder in die nassen, gefrorenen Socken und Schuhe gestiegen. Der Teil ist gewöhnungsbedürftig.

Jonas Deichmann trainiert in der Kältekammer für seinen Triathlon 360°
Vorbereitung in der Kältekammer der Deutschen Bahn. Foto: Markus Weinberg

Hattest du viele Pannen mit dem Fahrrad? Hattest du genügend Ersatzteile dabei? Gab es Probleme mit der Ausrüstung? Ist dir irgendwas eingefroren?

Ich bin schlauchlose Reifen gefahren und hatte praktisch keine Platten. Der sibirische Schlamm frisst sämtliche Lager kaputt. Die mussten mehrfach gewechselt werden. Die wichtigsten Ersatzteile, wie z.B. Tretlager, Speichen, Ersatzkette usw., hatte ich bei mir.

Gefrorener Schlamm sorgt dafür, dass die Schaltung hin und wieder einfriert. In dem Fall hilft mein Hausmittel – drüber pinkeln.

Sibirien hat ja eine niedrige Bevölkerungsdichte. Gab es Tage an denen du niemand gesehen hast?

Durch Sibirien von West nach Ost gibt es nur eine Straße, über die der Fernverkehr läuft. Dort kommt immer mal ein LKW vorbei. Und alle 80-100 Kilometer kommt eine Tankstelle.

In Mexiko: 120 Marathons in 117 Tagen

Ein Straßenhund begleitete mich 120 Kilometer lang.

Jonas Deichmann

In Mexiko bist du 120 Marathons in 117 Tagen gelaufen. Als du in Tijuana gestartet bist, hat sich niemand für dich interessiert. Im Laufe deiner Reise durch Mexiko sind aber die Medien auf dich aufmerksam geworden und du hast sogar eine Polizeieskorte bekommen. Wie kam es dazu?

Auf der Halbinsel Baja California hat schon früh ein Radiosender jeweils meinen Standort gepostet. Deshalb hatte ich immer mal wieder Mitläufer. In El Salto, im Bundesstaat Jalisco, schloss sich mir ein Straßenhund an und begleitete mich 120 Kilometer. Da ich und mein Lebenswandel kein guten Herrchen abgeben, suchte ich über einen Post nach einem Paten. Das hat dann das nationale Fernsehen als Story gebracht und der Hund wurde über Nacht zur Berühmtheit. Ab da kannte mich praktisch jeder in Mexiko. In jedem Ort gab es einen Empfang und ich wurde überall eingeladen. Die Politiker unter den Gastgebern haben dann dafür gesorgt, dass ich immer von einer Polizeieskorte begleitet wurde.

Wie war deine Getränkeversorgung in der mexikanischen Wüste? Hattest du immer genügend Wasser dabei? Bist du irgendwelchen gefährlichen Tieren begegnet?

Wasser wurde mir aus Autos gereicht oder einfach am Straßenrand für mich abgestellt.

Hin und wieder bin ich einem Skorpion oder einer Klapperschlange begegnet.

Welche Laufschuhe hast du getragen und wie viele hast du davon verbraucht?

Mein Schuhsponsor ist ON. Ich hatte immer 2 Paar dabei, die ich täglich gewechselt habe. Nach 10 Tagen standen jeweils neue Schuhe für mich bereit. Insgesamt habe ich 11 Paar durchgelaufen.

Du bist ja nicht nur im Flachen gelaufen. Was war der höchste Anstieg, den du hoch gelaufen bist? War es schwierig für dich, dich für Anstiege zu motivieren?

Es gab Anstiege mit 2000 Höhenmetern. Ich liebe Anstiege und habe keine Schwierigkeiten mit der Motivation.

Wie schnell bist du gelaufen? Du hast ja einen Wagen mit deiner Ausrüstung gezogen. War es schwierig damit zu laufen?

Im Schnitt lief ich meist 6-8 Kilometer pro Stunde. Den Anhänger hatte ich mit einem Gurt um die Hüfte gebunden, was manchmal gescheuert hat. Im Flachen läuft der Anhänger einfach hinterher. Am Berg spürt man natürlich jedes Kilo.

Ernährung, Internetempfang und Ruhetage

Wie hast du dich während der Reise ernährt? Hattest du Spezialnahrung dabei wie z. B. Proteinriegel oder Energygels? Hast du mal auch Fast Food gegessen wie eine Pizza oder einen Hamburger?

In den wenigsten Ländern kommt man an irgendwelche Spezialnahrung. Ich esse alles was ich kriegen kann – auch Fast Food wenn es sein muss. Ich muss einfach meine Kalorien bekommen.

Hattest du jeden Tag Internetempfang? Hattest du ein Satellitentelefon dabei?

Außer im Bayerischen Wald gibt es fast überall auf der Welt Internetzugang. Ein handelsübliches Handy ist völlig ausreichend.

Hast du – abgesehen von den Zwangspausen – auch mal einen Ruhetag eingelegt? Warst du während der 14 Monate mal krank? Hattest du eine Verletzung, die die Weiterreise verhindert hat? Wie haben deine Muskeln und Gelenke die starke Belastung verkraftet?

Nein, Ruhetage sind nichts für mich. Ich muss den Körper in Bewegung halten. In Portugal habe ich meine erste Impfung bekommen und war eine Woche später für 3 Tage richtig krank.

Beim Laufen hatte ich einmal Schmerzen im Fußgelenk. An dem Tag habe ich mich geschont und bin nur 30 Kilometer gelaufen. Zwicken tut es natürlich immer mal irgendwo, aber richtige Schwierigkeiten hatte ich nie.

Gab es einen Punkt, an dem du gedacht hattest, ich höre jetzt auf und fliege heim?

Nein, nie.

Nach seiner Rückkehr vom Triathlon 360°

ankunft in muenchen
Jonas Deichmann bei seiner Ankunft in München – der Triathlon 360° ist abgeschlossen. Foto: Pheline Hanke

Hast du nach deiner Ankunft in München weiter Sport getrieben? Konntest du nach einer solch langen Belastungsphase überhaupt von einem Tag mit dem Sport aufhören?

Direkt nach der Ankunft begann für mich ein Medienmarathon quer durch Deutschland. Ich hatte 4 Wochen lang keine freie Minute und auch keine Zeit für Sport.

Wie kam es dazu, dass du über deine Reise ein Buch geschrieben hast und ein Film darüber gedreht wurde?

Über meine vorherige Challenge Cape to Cape gibt es bereits ein Buch* und einen Film. Das ist die logische Fortsetzung.

Setzt du dich nach diesem Mammutprojekt zur Ruhe oder gibt es ein Nachfolgeprojekt?

Im Moment halte ich hauptsächlich Vorträge, schreibe ein weiteres Buch und habe jede Menge Arbeit. Ab Mitte 2023 starte ich mit einem neuen Projekt, das z. Zt. noch geheim ist.

Hast du schon mal an einem Triathlon-Wettkampf teilgenommen oder bist bei einem Marathon-Rennen gestartet?

Ich gehe normalerweise meinen eigenen Weg. Dabei steht das Abenteuer im Vordergrund. Wenn dabei ein Rekord heraus kommt ist das schön, aber Wettkämpfe interessieren mich nicht.

Meine Meinung zum Triathlon 360°

456 Kilometer an der kroatischen Küste entlang schwimmen, 21.600 Kilometer mit dem Fahrrad u. a. durch Sibirien fahren, 5.060 Kilometer quer durch Mexiko laufen. Jeder einzelne dieser Abschnitte ist bereits unfassbar und scheint für einen einzelnen Menschen nicht machbar zu sein. Diese 3 Herausforderungen hintereinander innerhalb von 430 Tagen zu bewältigen entbehrt jeder Vorstellungskraft. Jonas Deichmann hat mit seinem Projekt Triathlon 360° die Grenzen des Machbaren verschoben und bewiesen wozu ein Mensch fähig ist, wenn er einen eisernen Willen hat.

Wer noch mehr über Jonas Deichmanns Weltumrundung erfahren möchte, kann sich seine Tagebucheinträge durchlesen, die er auf tri-mag.de veröffentlicht hat. Noch mehr Infos gibt es auch in seinem Buch zum Triathlon 360°, das er sehr passend mit Das Limit bin nur ich* betitelt hat.

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Erik betreibt dieses Laufblog und ist ein begeisterter Läufer. Er trainiert viermal die Woche, startet bei Lauf-Wettkämpfen und bei Parkruns. Wenn du ihn triffst und er läuft gerade nicht, dann handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Verwechslung ;-)

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