Unterschied Bruttozeit und Nettozeit
Laufwissen

Unterschied Bruttozeit und Nettozeit

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Viele Laufanfänger können mit den Begriffen Bruttozeit und Nettozeit nichts anfangen. In diesem Artikel erkläre ich, was sie bedeuten und worin der Unterschied liegt.

Bruttozeit

Die Bruttozeit gibt es schon, seitdem es die Zeitmessung beim Straßenlauf gibt. Sie wird gleichzeitig mit dem Startschuss gestartet. Die Startzeit ist also bei allen Läufern einheitlich. Nach dem Überlaufen der Ziellinie erhält jeder Läufer seine persönliche Zielzeit. Die Differenz zwischen Zielzeit und Startzeit ergibt die Laufzeit.

Ein Beispiel: Der Start eines Straßenlaufes ist um 9:00:00 Uhr. Diese Startzeit gilt für alle Läufer. Der Läufer Hubert Meyer überläuft um 9:46:32 Uhr die Ziellinie. Seine persönliche Laufzeit liegt somit bei 46:32 Minuten.

Nettozeit

Die Ermittlung einer Nettozeit ist nur dann möglich, wenn die Zeitmessung per Transponderchip erfolgt. Jeder Läufer trägt einen individuellen Chip. Beim Überlaufen der Startlinie wird für jeden Läufer die individuelle Startzeit gemessen. Nach dem Überlaufen der Ziellinie erhält jeder Läufer seine persönliche Zielzeit. Wie bei der Bruttozeit wird auch bei der Nettozeit die Laufzeit aus der Differenz zwischen Zielzeit und Startzeit ermittelt.

Ein Beispiel: Der Start eines Straßenlaufes ist um 9:00:00 Uhr. Der Läufer Hubert Meyer überläuft um 9:00:22 Uhr die Startlinie. Er überläuft um 9:46:32 die Ziellinie. Seine persönliche Laufzeit liegt somit bei 46:20 Minuten.

Unterschied Bruttozeit und Nettozeit

Ein Läufer läuft über die Ziellinie.
Bei der Zielzeit gibt es keinen Unterschied zwischen Bruttozeit und Nettozeit.

Der Unterschied zwischen Bruttozeit und Nettozeit liegt also in der unterschiedlichen Startzeit. Bei der Bruttozeit ist die Startzeit bei allen Läufern gleich, bei der Nettozeit hat jeder Läufer eine individuelle Startzeit. An dem Beispiel lässt sich auch leicht erkennen, welchen Vorteil die Nettozeit vor allem für die weiter hinten im Startblock positionierten Läufer bietet. Bei der Nettozeitmessung ist die Laufzeit um 12 Sekunden niedriger als bei der Bruttozeitmessung. Für Hubert Meyer wird die Laufzeit gemessen, die er tatsächlich nach Überschreiten der Startlinie gelaufen ist.

Vorteile von Bruttozeit und Nettozeit

Die reine Bruttozeitmessung hat vor allem für den Veranstalter einen Vorteil. Es wird nur eine Zeitmessmatte benötigt. Diese wird auf der Ziellinie ausgelegt. Bei der Nettozeitmessung werden mindestens 2 Zeitmessmatten benötigt: eine liegt auf der Startlinie, die andere auf der Ziellinie. Je weniger Matten ausgelegt werden, desto niedriger sind die Kosten, die die Zeitmessfirma berechnet.

Aus Läufersicht ist dagegen die Nettozeitmessung besser. Jeder Läufer kennt seine tatsächliche Laufzeit, unabhängig davon, wie weit er beim Start von der Startlinie entfernt ist.

Regelwerk der Leichtathletik

Im Endeffekt ist die Nettozeitmessung also am gerechtesten. Trotzdem ist im Regelwerk der Leichtathletik unter der Nummer 19.24.5 festgelegt, dass die Bruttozeit die offizielle Zeit ist und somit als Grundlage für die Einlaufreihenfolge dient. Es kann also sein, dass der Läufer, der als 31. über die Ziellinie läuft, eine schnellere Nettozeit hat als der Läufer, der als 30. platziert ist.

Der Grund für diese Regel ist, dass es gerade bei Straßenläufen mit vielen Teilnehmern sehr lange dauern kann, bis alle Läufer über die Startlinie gelaufen sind. Beim Berlin-Marathon dauert das z. B. 1 Stunde und 15 Minuten. Wenn die Nettozeit als offizielle Zeit gelten würde, müsste so lange gewartet werden, bis der Sieger gekürt werden könnte. Theoretisch könnte ja der schnellste Läufer aus dem hintersten Startblock schneller sein als der schnellste Läufer aus dem ersten Startblock.

Die Zeitangaben auf der Urkunde

Bei der Nettozeitmessung stehen manchmal 2 Zeitangaben auf der Urkunde. In diesem Fall ist die niedrigere Zeit die Nettozeit und die höhere Zeit die Bruttozeit.

Einsatz von Bruttozeitmessung und Nettozeitmessung

Bei großen Läufen mit über 1.000 Teilnehmern gibt es eigentlich immer eine Nettozeitmessung. Um Zwischenzeiten messen zu können, gibt es oftmals sogar mehr als 2 Zeitmessmatten. Die zusätzlichen Kosten für die Zeitmessung fallen nicht so sehr ins Gewicht.

Bei kleinen Läufen mit weniger als 200 Teilnehmern kommt meistens die Bruttozeitmessung zum Einsatz. Zum einen beträgt der Zeitunterschied zwischen dem ersten und dem letzten Starter nur einige Sekunden. Zum anderen sind gerade bei solchen Läufen die Startgebühren eher niedrig angesetzt und der Veranstalter kann sich durch eine reine Bruttozeitmessung einige Hundert Euro an Gebühren sparen.

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Erik betreibt dieses Laufblog und ist ein begeisterter Läufer. Er trainiert viermal die Woche, startet bei Lauf-Wettkämpfen und bei Parkruns. Wenn du ihn triffst und er läuft gerade nicht, dann handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Verwechslung ;-)

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